Archiv der Kategorie Moving to Canada

Another day in paradise

Inzwischen bin ich wieder viele Male in das einst gelobte, nun eher global getadelte Land gereist. Und ausser dem aeussert lukrativen wenn auch irlaendische oder schottische Goldwasser verhoehnenden Whiskey-Schmuggel konnte ich den Staaten bislang keine Pluspunkte goennen. Die Kentucky Bourbon lassen sich allerdings im vitkorianischen Pyjama und entsprechendem Ambiente mit oder ohne Eisbaerfell trinken. Dem Stolz der Inseldestillen geschuldet, kaufe ich die Jims und Jacks auch stets mit einer abfaelligen Bemerkung wie „das ist nur fuer meinen Hustenreiz, fuer den Superbowl habe ich dann RICHTIGEN Whiskey aus Europa“, aber wie gesagt, sie lassen sich durchaus auch trinken.

Zurueck zu Amerika. Stets stelle ich mir auf den kurzen fuenf Stunden road trips die Frage, gehe ich zu voreingenommen an eine Beurteilung heran oder sehe ich nur, was ich sehen will oder was ist mein verdammtes Problem mit diesem Land? Schliesslich zeugt es nicht von menschlich solidarischem Verhalten, wenn man stets mit dem Gefuehl der Ueberlegenheit dieses Land betritt, befaehrt, befliegt, wie auch immer. Und schliesslich kenne ich mittlerweile ziemlich viele Amerikaner respektive Innen, um auch hier vertraute Menschlichkeit schon entdeckt zu haben. Bloed nur, dass diese Bekanntschaften einem das Bild von dem Amerika, das man bereits aus europaeischer Sicht im Kopf hat, insofern bestaetigen, als dass sie genau diese Punkte: Unbildung, und eigentlich Allem daraus resultierenden, hervorheben. Und schon treibt mich der Hunger in die naechste Ausfahrt und eines der naechsten Restaurants, die hier fast ausschliesslich aus Ketten bestehen. Weil ses koennen, entschliesse ich mich natuerlich fuer den Buerger, und schon wieder sehe ich das, was mich an die Klischees ueber Amis eigentlich aergert: uebergewichtige Menschen in Jogginghosen bereiten und servieren mir das Mahl. Und das ist bei Weitem kein Einzelfall mehr. Waehrend ich mir den Burger schmecken lasse, bemittleide ich auch die anderen Speisenenden, die Sport fuer eine gelungene Fernsehdarbietung halten, und denke auch an meinen ueberfaelligen workout, um nicht diesem regenerativen Zivilisationstrend zu verfallen. Was eine Ansammlung ungenutzter und zu Fett gewordener Energie. Und das ist hier durchaus keine Beleidigung eines Schmaechtigen an den Rest der Welt, sondern einfach nur eine Darstellung der erlebten Begegnungen.

Um das Ganze in seiner Konsequenz weiter zu fuehren: alles ist hier gross, so auch die Klos. Die geneigte Leserin mag sich nun abwenden, da ich Situationen beschreibe, die aus Alltaeglichkeit den Reiz nehmen. Ich sitze also auf dem Pott einer viel zu gross dimensionierten Kabine und starre auf Dinge, derer ich in einer solchen Situation nicht wahrzunehmen gedenke. Ein Spalt zwischen Tuer und Klowand. Kein Spalt, durch den man mit Anstrengung von innen heraus das Geschehen aussen beobachten koennte, nein ein Spalt, der fuer einen Ingenieur europaeischer Automobilisten atemberaubend ist. Ein Dachs koennte sich dazwischen klemmen und es bedarf eigentlich keiner Schliessung, da man von aussen locker mal sehen kann, ob und wer wie gerade in der Kabine sitzt. Zusaetzlich zur Nervositaet ob des Publikums ausserhalb kommt noch die Perfomance des Toilettenpapiers innerhalb. Auf oeffentlichen Toiletten ist es klar, dass – ich nenne sie mal – Grossrollen den wirtschaftlichen Ton angeben. Natuerlich spielt die Dicke des Papiers an sich die Rolle fuer den Erfolg des Geschaeftsinhabers. Wie dem auch sei. Kennt ihr das Gefuehl des Reissens von Papier, wenn die Traegheit der Rolle ploetzlich kraeftiger ist als die Zugfestigkeit des Papiers? Genau: Ratsch. Nach ca. Fuenf Millimetern. Und ratsch nach erneuten fuenf. Dass mit den Papierschnipseln kein Oskar in Hygiene zu holen ist, wird einem schnell klar. Und ca. 600 Ratsches und einer halben Stunde spaeter kann man dann frohgemut die Kabine freigeben…

Nunja. Mein letzter Besuch galt der Detroit Auto-Show. Von Einheimischen geleitet, sollte ich am Casino parken. Da Detroit nicht die Stadt ist, in der man verloren gehen moechte, befolge ich den Rat und begebe mich zum vereinbarten Treffpunkt. Dieser ist tatsaechlich IM Casino. Und dort stehen, wie man es aus Filmen kennt, goldschmuckbehangene Renterninnen aller Hautfarben vor einarmigen Banditen. Und jede von ihnen erinnert mich an eine der Golden Girls. Rauch inbegriffen, denn das Casino ist der einzige wirtschaftliche Ort in Detroit, wo noch geraucht werden darf. Von dort aus geht es weiter ueber die Stadtbahn zum Messegelaende. Diese erinnert mich an die simpsonsche Monorail, da sie weit ueber der Stadt in ingenieuriger Kunst durchaus verspielt spektakulaer hinweggleitet. Und so sehe ich Detroit: Wolkenkratzer aus den Dreizigern, die zum Teil leer stehen und verfallen. Wolkenkratzer aus den Siebzigern, die etwas besser dran sind, aber immer wieder Zeugnisse kapitalistisch geleugneten Wohlstands und rebellischer Subkulturen, die sich in Graffiti an den architektonischen Wundern vergingen.

Die Auto Show selbst praesentiert ein Bild amerikanischer Gelassenheit mit europaeischen Umweltsparzwang. In den gezeigten Pickup-Trucks gibt es extra Faecher fuer – leider ebenfalls praesentierten - Shotguns. Die Rahmen sind so versteift, dass Bombenkrater im Autobahntempo damit befahren werden koennen. Und dennoch zeigt jede Automarke eine elektrisch generierte Loesung fuer unsere strahlende Zukunft. Leicht bekleidete Maedels mit unzumutbaren Arbeitsbedingungen zieren das Event. Interessant ist hierbei die zurueckhaltende Show europaeischer Grossautmobilisten gegenueber den japanischen oder amerikanischen Grossmagnaten.

Nun irre ich fuer einen weiteren workshop erneut in Detroit herum und versuche, dem Klischee ueber Amerika zu entgehen. Dabei kommt mir aber ein anderer Gedanke: muss man Amerika denn wirklich so sehen? Schliesslich bin doch ab und zu gern hier, geniesse die Burger, denn das koennen se, die Kritik der Leute, die ich hier treffe und vor allem die Erfahrung, die ich sammle. So bloed ist das hier alles gar nicht, wenn man sich auf die Dinge konzentriert, die einem von diesem Land wichtig sind. Und schon komme ich wieder zum Whiskey und dass ich euch eigen tlich mal ueber die kanadische Destilleriekunst erzaehlen muss. Doch das ist ein anderes und eher kanadisches Kapitel, das demnach spaeter und aus meiner neuen Heimat geschrieben wird.

Erkenntnis des Tages: auf die Bildung kommt es an!

These shoes are made for walking

Bislang verlaeuft der Winter harmloser als erwartet. Erst nach Weihnachten erreicht die Kaelte Toronto, die Temperaturen schwanken zwischen Null und -17 Grad Celsius und der Schnee sorgt nur kurz fuer Aufregung. Etwas noerdlich hingegen liegt die weisse Pracht ueber Feldnern, Waeldern sowie an der Lakeshore der Georgian Bay. Grund genug, einen Ausflug zu den Blue Mountains zu uebernehmen. Dieser Gebirgszug in der Naehe von Collingwood gehoert zu den beliebtesten Touristengebieten um Toronto. Vor allem dem Wintersport wird hier gefroent, was sowohl Touristenindustrie als auch -fallen auf den Plan der gemeinschaftlichen Partizipierung ruft. Nach nur drei Stunden erreichen wir die Kueste des Huron und sehen uns von Collingwood aus nach ein wenig Natur um. Mit gesundem Spott vorbei an den zahlreich ueberfuellten Skihaengen zieht es uns zu einem Sportzentrum, das Langlaufloipen sowie Schneeschuhwanderwege bietet. Und letzteres wollen, nein muessen wir ausprobieren. Also schnallen wir uns die kunstoffbespannten Aluminiumrahmen in Form eines Bigfoot-Fussabdruckes an die Stiefel und schon gehts los. Die Fortbewegung unterscheidet sich vom Gehen oder Laufen nicht grundsaetzlich, nur der Kraftaufwand im Schnee verringert sich. Schon nach dem ersten Kilometer bricht die Freude aus: was fuer ein Spass. Und so durchkreuzen wir einen der Blue Mountain Waelder und sind tatsaechlich nahezu allein. Die hoechste Haengebruecke Ontarios bietet uns einen tollen Ausblick ueber die Bucht. Um die Performance der fuer uns neu entdeckten Sportart ausgiebig zu testen, waehlen wir an einer Kreuzung den Iron Man Trail. Hier bekommen wir schnell mit, welch guten Halt die Schuhe an vereisten Haengen bieten. Ein unheimlicher Spass. Zwischen Schneefall und Sonnenschein wandern wir so knapp 4 Kilometer und geniessen die Ruhe, da wir im Iron Man Gebiet nun wirklich allein sind. Bei der hohen Beanspruchung schneidet sich allerdings die Bindung in das zaehe Leder kanadischer Springerstiefel und uebertraegt den Druck gleich schmerzhaft auf meinen Fuss. Notduerftig federe ich die Stellen mit Baumrinde ab und so stelle ich zum ersten Mal die Art der Bindung in Frage. Das sollten wir uns beim naechsten Mal oder gar dem Erwerb der Schuhe genauer ansehen, vermutlich haben die Verleiher eher die periswerteren und einfacheren Varianten. Kann man doch fuer ein Paar Schneeschuhe bis zu 600 Dollar ausgeben… Zurueck am Ausgangspunkt ruhen wir uns kurz an der Feuerstelle vor der Huette aus und geniessen den nahenden Sonnenuntergang. Das ist die erste Erfahrung mit kanadischen Wintersportmoeglichkeiten, die wohlwollend in unser Repertoire der Freizeitgestaltung aufgenommen wird.

Erkenntnis des Tages: Auf die Bindung kommt es an!

Slideshow zum Bericht auf der picture site

Ca plane pour moi

Es ist mal wieder an der Zeit, die Vorzuege dieses Landes zu erkunden und vor allem: euch darzubieten. Bei dem staendigen Gemecker ueber Dinge, die sich zu Europa unterscheiden, bekommt ihr sonst den Eindruck einer uebergeordnet negativen Bewertung des amerikanischen Kontinents. Also Sachen geschnappt und ab nach Montreal. Ein wenig Vorbereitung ist natuerlich noetig fuer den sechs-stuendigen Road-Trip. Da der Winter Einzug erhalten hat, wird der Racoon-Hunter mit allen notwendigen Massnahmen aufgeruestet, die ein zwoelfstuendiges Ueberleben auf einem zugeschneiten Highway zumindest in Aussicht stellen. Bei einer aehnlichen Situation sind tatsaechlich in unserem Gebiet einst Menschen ums Leben gekommen, da die Eingeschneiten erst nach zwei Tagen geborgen werden konnten… Die Schneeschaufel liegt eh schon im Fahrzeug und die Schokolade fuer Notfaelle wird durch vitaminreiche Nahrung ergaenzt. 36 Stunden Hoerspielmaterial sorgt fuer psychologischen Rueckhalt. Also auf in die Provinz Quebec und damit in den franzoesischen Teil Kanadas. Die Fahrt ist unspektakulaerer als ich erwartet hatte, ein endlos langer Highway schlaengelt sich flussaufwaerts an den Ufern des Lawrence Rivers. Dabei ergeben sich fantastische Perspektiven mit der sich im Strom spiegelnden Sonne. Diese Weite ist wahnsinnig unbegreiflich. Und dabei befahren wir nur einen kleinen Teil dieses Kontinents. An der Landesgrenze zu Quebec werden die Strassen etwas schlechter und die Bezeichnungen franzoesisch, was aber die einzigen Indikatoren fuer den Staatenwechsel bleiben. Bald verdichten sich wieder die Gestalten menschlicher Behausung und wir sind in Montreal.

Zwischen modernen Wolkenkratzern stechen historisch anmutende Gebauede hervor, wie ich sie zuletzt vor einem halben Jahr auf einem anderen Kontinent gesehen hatte. Es gibt hier also doch Geschichte. Eingecheckt im zentral gelegenen Hotel gehts gleich auf Stadterkundung. Als Geek wollte ich dieses Mal ganz clever sein und statt des ueblichen Reisefuehrers oder einfach einer Karte, gab es das Montreal-App fuer nur $5.99. Fuer den Kurztrip kann man sich so die zehn wichtigsten Dinge zeigen lassen und in augmented reality wird Standort und Entfernung im Display des aktuellen Kameramotives dargestellt. Wahnsinnig moderne Technik, man sieht also, was man vor der Linse hat und ein Pfeil zeigt, wo sich der naechste point of interest befindet. Hingeschwaengt und gleich erkannt oder die Entfernung abgelesen. Das Ganze klappt genau einmal, dann ist der Akku leer und meine Haende sind eingefroren. Was ich bei diesem Hightech-Wahn natuerlich nicht bedacht hatte: hier herrschen -17 Grad Celsius, was mit dem Wind einer angesagten gefuehlten Temperatur von knapp -25 Grad gleich kommt. Da ist nicht viel mit Handy im Freien. Noch dazu, wenn man die Handschuhe ausziehen muss, um auf dem Display im Takt des zitternden Koerpers rumzuhackern. Es gibt ja schon spezielle Handschuhe fuer smartphonedisplays, aber meine derzeitige Ausruestung ist wohl noch unzureichend. Zudem wollen die Elektronen in den kleinen Schaltkreischen aus den Werkstaetten Chinas bei den Temperaturen auch nicht ihre volle Geschwindigkeit entfalten. So wird also erstmal durch die Stadt getapert und das Flair genossen. Ein Faltplan aus dem Hotel hatte ich als Backup dann doch mtgenommen, und so erfahren wir, dass sich die Altstadt Montreals an den Ufern eines Arms des Lawrence Rivers ausstreckt. Alter Speicher, Notre Dame sowie Rathaus und erste buergerliche Haeuser haben schon den Charme europaischer Stadte des 17. Jahrhunderts. Kleine Gassen, die mal nicht rechteckig angelegt sind und durchaus auch Kurven aufweisen, ergaenzen dieses Bild. Die Sehenswuerdigkeiten des alten Montreals sind aber auch schnell abgehaktm, so dass wir nun die kanadische Seite der Stadt besichtigen koennen. An die Wetterbedingungen angepasst haben die Grossstadte unterirdische Systeme entwickelt, die Einwohnern und Touristen erlauben, alle wichtigen Punkte der Stadt ohne einen Kontakt zur Oberwelt zu erreichen. Eingebettet im Metrosystem gibt es also auch hier die subterrans. Wagemutig betreten wir einen der der Zugaenge und tauchen in ein geschaeftiges Tunnelsystem ein. Nur die Idee einer Richtung und der Name des Ziels reicht aber hier nicht aus, da zu jedem Tunneleingang immer nur der naechste erreichbare Abschnitt ausgeschildert ist. Irgendwann endet dann auch ein Tunnel und wir realisieren, dass es ploetzlich oben weitergeht. Und selbst dabei sind keine Grenzen gesetzt, so dass man in Roehren aus Glas und Beton ploetzlich die zu Eis erstarrte Stadt unter sich hat. Die Gaenge selbst sind karg, kalt und leer. Hier vermissen wir sogar mal Werbeplakate um nicht in die Demut trister Betonwaende, den man schon fast aus seiner Vergangenheit verdraengt hatte, zurueckzufallen. Nur im inneren Stadtkern gibt es Geschaefte, die diese unterirdische Welt beleben. Kurzum: begeistert sind wir nicht, aber wenigstens bewahrt  das Maeuselabyrinth uns einige Stunden vor der Eiszeit.

Am Abend suchen wir erneut die Altstadt auf und kehren durchgefroren in eine polnische Kneipe ein. Ein junger Student verwoehnt mit Klaengen am Klavier und warme Suppe zu kuehlem Bier in sehr gemuetlicher Atmosphaere laesst diesen Abend besonders romantisch beginnen. Erwartungsvoll suche ich fuer das Dinner einen abgelegenen Franzosen aus, in den Hinterhoefen historischer Kaibebauung. Leider bemerken wir zu spaet, dass dieses Lokal zwar seit knapp 1800 betrieben aber offensichtlich seitdem kaum Sanierungsmassnahmen genossen hat, so dass der Kamin nur unzureichend die staendig neue durch die Ritzen stroemende kalte Luft erwaermen kann. Es zieht wie Hechtsuppe. Dem chinesischen Oberkellner komme ich dann auch noch mit der Auswahl des Weines zuvor, was ihn offensichtlich irritiert. Wenigstens war der Fisch dann teuer, warm blieb er nicht lang. Aber auch das ist Montreal: unvergessliche Abenteuer europaeischen Charmes in kanadischer Kaelte.

Am naechsten Tag erkunden wir die Geschichte im historischen Museum und lernen, dass beheimatete Irokesen als einziger Indianerstamm die anlandenen Franzosen schon immer doof fanden und ihnen das auch regelmaessig deutlich machten. Erst als ein diplomatisches Siedleroberhaupt hier in Montreal Frieden mit allen bis dahin bekannten Indianerstaemmen Amerikas schloss, konnte die eigentliche Besiedlung beginnen. Und erst dann schnellte die Gendarmerie bis zur Muendung des Mississippi vor und besiedelte die bekannten Gebiete.

Wir befahren noch den Mont Royal, der einen wunderschoenen Blick ueber die Stadt und die Ufer des St. Lawrence bietet und beginnen dann den Heimweg.

Erkenntnis des Tages: Insgesamt ist Montreal allemal eine Reise wert und stillt klammheimliche Sehnsuechte nach Geschichte und europaeisch anhauchende Architektur.

Slideshow zum Bericht auf der blog picture Seite.

Last Christmas

Wenn ein Land beschliesst, aus dem Kyoto-Protokoll auszutreten, nimmt man das nur beilaeufig wahr. Soll dieses Land aber die neue Heimat sein, so ist dies genau der richtige Anlass, grund meiner Erfahrungen, dieses Land mal wieder naeher zu beleuchten. Und genau damit faengt es an: Leuchtmittel. Als alter Umweltfuchs, bevorzuge ich natuerlich die schwermetallbelasteten Energielampen anstatt energiefressende Gluehrohren zu installieren. Dachte unser Vermieter auch und hat die ca. sieben Lampen pro viktorianischen Kronleuchter schon im Voraus gestellt. Natuerlich die billige Sorte. Und so wird das sonst historisch anmutende dunkle Gemaeuer mit gleissend grellem Industrielicht geflutet. Sobald die Daemmerung einsetzt, huschen deshalb auch die Nachbarn nur mit Sonnenbrille an unseren Fenstern vorbei, um nicht zu erblinden. Das geht so natuerlich nicht. Und so wurden die Frohmut vertstreuenden warmen Lichtspender aus dem Energiesparsektor erworben. Was dabei dem Umweltfuchs auffaellt: warum sind die derzeit boesen und verschwenderischen Gluehbirnen in recycleten Pappkartons, die umweltschonenden Energiesparlampen aber in – zumindest in Kanada nicht  - recyclefaehiger Plaste-Vakuumhuelle verpackt? Natuerlich auch so, dass nur schweres Geraet die Packung oeffnen kann, und sich der Protagonist dabei noch schwere Schnittverletzungen zuzieht. Jaja, die Widersprueche des Lebens.

Trotz aller Gefahren und Widersprueche werden die warmen und sparsamen Lampen erfolgreich installiert. Zumindest fuers Gewissen, und das schlechte davon ist nicht weit verbreitet. So muss hier der Vermieter fuer den Strom zahlen, was nicht gerade zum Sparen anregt. Weshalb die kleineren Versuche der Regierung, die Umwelt zu retten, wie das kommende Gluehbirnenverbot, kaum ein generelles Energiesparbewusstsein hervorufen.

Und schon sind wir bei Weihnachten: die Jahreszeit, zu der es Flughaefen schwer haben, die Einflugschneisen auffaelliger zu gestalten als konkurierende Vorgaerten im Lichterwahn. Auch hier ist das ein oder andere Mal die Sonnenbrille zum persoenlichen Schutz notwendig. Einige Vorgaerten werden durch den entstehenden Kabelsalat zum Labyrinth fuer Besucher. Die Zeugen Jehovas beklagen auch schon vermisste Missionare. Und so erschliesst sich mir die Angewohnheit von Zeitungsjungen oder Milchmann, die Produkte einfach nur auf die Terasse zu schleudern. Schoen sind auch diese Lichterketten, die die Dimensionen des Eigenheimes betonen, weil sie akribisch genau die Regenrinne nachziehen. Ich bin mir noch nicht sicher, ob das statt Dekoration der Identifizierung als Helikopterlandeplatz zur Luftrettung im Schneechaos torontianischer Winter fungiert. Zumal herunterhaengende LEDs ja auch noch regelmaessig blinken. Mit ein wenig Phantasie glaube ich dann aber doch eher an die Lichtsimulation von Eiszapfen, die hier ja offensichtlich rar sein muessen. Was ich zum ersten Mal gesehen habe, sind christliche Weihnachtsdarstellungen als Huepfburg. Naja, zumindest als aufblasbare Version. Das Krippenspiel aus Polyvinylchlorid. Das ist echt eine herbe Enttaeuschung gegenueber den einst sorgsam geschnitzten Versionen und ein Schlag ins Gesicht thueringischer Handwerkskunst.

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Die wiederum gibt es auf dem Weihnachtsmarkt zu sehen. Ontario ist bekannt fuer seine strikten Alkoholgesetze, hier loesen sie sich etwas auf. So gibt es den Gluehwein schon fuer knapp 7 Dollar, dazu ein Plaetzchen auf ledernden Sofas am waermenden Feuer. Da kommt schon mal die Weihnachtsstimmung auf. Am Stollen-Stand trifft sich die deutsche Gemeinde und nur eine Bude weiter, verhoekern die Oranjes teuren Kaese aus Holland. Die Bratwurst probiere ich lieber nicht, um nicht gleich den naechsten Schlag nach Thueringen auszuteilen.

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Ein weit verbreiteter Brauch ist auch das oeffentliche Auftreten von Santa Claus. Wie in billigen Teeanager-Komoedien hat jeder Platz und jede Mall einen zentralen Thron aufgebaut, bestenfalls mit Rentieren und Kutsche, und eine lange Schlange aus aufgeregten Kindern und verzweifelten Muettern wartet darauf, auf dem Schoss vom Claus zu sitzen und das dabei gemachte Foto fuer fuenf Dollar zu erstehen. Und anhand der ueberfuellten Innenstadte und gerade Spielzeuglaeden erkennt man allzu leicht die hohe Konsumorientierung zu diesem Fest.

Was mit dem – bei uns so beliebten und spaetestens seit Krise gekuerztem – Weihnachtsgeld einhergeht. So bekommt man nicht etwa rein finanziellen Ausgleich fuer die ueberdurchschnittlich erbrachte Leistung des harten Arbeitsjahres. Nein, es gibt gleich Gutscheine, damit die Bosse anderer Firmen auch davon profitieren. Sei es Wal-Mart oder bestenfalls noch der nuetzliche Baumarkt. Natuerlich eine nette Geste, aber eben anders als man kennt.

Mit dem heimatlichen Christstollen, etwas kitschigem Weihnachtsschmuck, aber gemuetlichen und duftenden Tannennadeln, etwas selbst gemachten Gluehwein, dessen Grundlage der billigste italienische Fusel fuer 10 Dollar bildet, pilgern wir zum zentralen Punkt unserer viktorianischen Huette: dem Kamin. Obenauf der neufundlaendische Rum fuer haertere Zeiten und am Sims die baumelnden Socken fuer das kommende Weihnachtsfest. Es gibt hier viel, das zum europaeischen Fest fehlt, so habe ich noch kein einziges Mal Last Christmas gehoert… Es wird hier laenger und haerter gearbeitet. Aber ich habe es dieses Jahr nahezu zum ersten Mal in meinem Leben geschafft: ich bin auf Weihnachten vorbereitet und in der Stimmung! Schoenen vierten Advent da draussen!

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Friday I’m in love

SUBTITLE: Auf dem Highway ist die Hoelle los

Mittlerweile tritt der Alltag in die neu gewonnene Lebenserfahrung ein. In der Woche jeden Morgen der fantastische Kampf ums Ueberleben auf den breitspurigen Highways. Erinnert mich an den alltaeglichen Krieg auf der A2, mit nur kleinen Unterschieden: erstens sind hier die Autos um einiges groesser, zweitens erkennt man die Blinkanlagen, die aus der Rueckbeleuchtung in modifizierter Frequenz aber gleicher Farbe und Leuchtintensitaet bestehen, ueberhaupt nicht. Und drittens sind die Autos hier verdammt gross. Nochmal zurueck zum Abbiegeerkennungssystem: interessant finde ich, dass, zumindest bei den Chrysler- und Dodge-Modellen, der Scheinwerfer im Taglichtmodus beim Blinken erlischt. Ueber den tieferen Sinn habe ich noch nicht nachgedacht, lediglich den Fehler in der Elektrik vergeblich gesucht. Die Blinkfrequenz ist sicherlich der Niedrigspannung einheimischer Netzversorgung angepasst – und so erscheint alles cool und relaxed. Und das ist mal ein Benefit gegenueber dem hektischen Blinken franzoesischer Kleinstvehikel. Des Weiteren telefoniert hier irgendwie jeder ohne entsprechende handsfree Installation im Wagen. Das ist sicherlich mit einer der Gruende, warum ich tatsaechlich taeglich an mindestens einem Unfall vorbeirausche. Allerdings lediglich Blechschaden, denn ich muss mal erwaehnen: die Autos sind hier verdammt gross.

Telefonieren am Steuer ist auch hier teuer und verboten. Weitaus dramatischer ist aber, dass die Versicherungspraemie direkt an die Fahrweise gekoppelt ist. So dass also auch Punkte und selbst Speeding Tickets zu einer Erhoehung des Versicherungsbeitrages fuehren. Und das nicht zu knapp. Deshalb versucht der gemeine Kanadier also so gut er kann, sich an die Regeln zu halten. Damit das auch klappt, gibt es davon nicht zu viele. So ist das Rechts-Ueberholen geradezu gewollt, geht ja auf den 16-spurigen Highways auch nicht anders. Rechts abbiegen geht immer bei rot, links nur zu bestimmten Tageszeiten, und die Gelbphasen wurden extra lang gemacht, damit auch der groesste Truck nach 1,5 Meilen Bremsweg zum Stehen kommt.

So duese ich also mit der Grossstadt im Rueckspiegel, der florierenden Wirtschaft vor der Motorhaube im hitzigen Spurwechsel ueber freie Luecken zur Arbeit. Ja, das ist schon geil. Vor allem mit den Bandit-Trucks ausserhalb der Stadt… Und selbst die Strassen weitab der Highways fuehren Spuren, die drei derselben deutscher Stadtautobahnen beinhalten. Und davon gibts dann auch noch drei. Ja, hier koennen die in Europa heiss diskutierten Supertrucks auch fahren, fuer die Autobahnen drueben sehe ich schwarz. Mit diesen Eindruecken beginnt der – wenn es gut lauft 8-, wenn es schlecht laeuft 12-Stunden-Tag. Und diesen blende ich in dieser Geschichte aus Geheimhaltungsgruenden mal aus…

Feierabend. Endlich. Hier wird der Feierabend auch seinem Namen gerecht: es ist Abend. Und deshalb umso dringender Zeit, die Arbeit hinter sich zu lassen und dem Wochenendbeginn zu froenen. Auf den breiten und unzaehligen Spuren des Highways tobt der Kampf um die wenigen Minuten, die man eher zuhause sein kann. Und das macht unglaublichen Spass. So jage ich einen Honda nach dem anderen, und dabei immer bedacht darauf, im toten Winkel der Cops zu bleiben. Auch wenn ich noch keine Erfahrung mit der highway patrol sammeln durfte, so meide ich doch lieber Begegnungen mit den lokalen Sheriffs. Ein Truck schert knapp vor mir auf meine Spur, und nimmt mir damit die Chance, den getunten Accord zu schlagen. Naja, aergere ich die Stretchlimo hinter mir und schneide ihr die Spur. Es ist eine unglaubliche Verschwendung an Bremsenergie und eine durchaus uneffiziente Fahrweise, aber beiweitem nicht so aggresiv und voellig daemlich wie manch Verhaltensweisen nordeutscher Verkehrsteilnehmer aus Staedten mit Muehlenmuseum.

Endlich zuhause. Den Hausputz schnell und musikalisch absolviert, geht es nun daran, die Vorraete zu fuellen. Schon beim Weg in den Beerstore faellt mir die ungewohnte Praesenz der Cops in meinem Viertel auf. Streifenwagen durchziehen die von Drogenabhaengigen ueberfuellten Strassen. Im Beerstore begruesst mich gleich der naechste Cop, der an diesem  Abend in schusssicherer Weste, Oberlippenbart aber freundlich dominantem Laecheln hier abgestellt wurde, um die aermsten Penner beim Umtausch ihrer Betteleinnahmen zu observieren. Und Anarchisten zu aergern. Wobei er sich eher von meinem Staatsmacht-unbeeindruckten Erscheinungsbild und dem ewigen Um-ihn-herum-springen auf der Suche nach der richtigen Biersorte gestoert fuehlt, als ich mich von ihm. Dabei wollte ich wirklich nur gutes Bier finden, was hier zwar moeglich aber schwierig ist. Henry, wie ich unseren Cop nach laengerer Studie getauft hatte, wurde zunehmends nervoes und verliess seinen Lieblingsplatz zu meinen Gunsten. Argwoehnisch fokussiert er mich nach dem Verlassen des Ladens und ich bin mir noch nicht sicher,ob ich mich freuen kann, einen Cop aus dem Konzept gebracht zu haben. Schliesslich gibt’s hier viel davon. Andererseits bin ich mir auch sicher, dass sie mit weitaus demuetigerenden Begegnungen zu tun haben, und sich um den lokalen Anarchisten eher weniger Gedanken machen. Zu kurz gedacht, haehae….

Zurueck zuhause lasse ich mich mit dem rotblondem Pils auf die persoenliche Pilgerstaette vor dem Kamin nieder. Und sogleich beginnt die Stimmung zum Wochenende und der Feierabend wird komplettiert. Prost!

Counter

Um mal ein kleines Resuemee dieses Blogs zu ziehen: DAS HIER LESEN WIRKLICH LEUTE… alternierend, aber immerhin:

webstatistic

Dann werde ich wohl weitermachen muessen. Und um das Feedback im Auge zu behalten, gibts nen Counter, wie es sich fuer jede drittklassige Website gehoert. Und als Ansporn: spaetestens alle 500 Besuche gibts ne neue Geschichte und bei jedem Tausenderwechel wechselt das Design! Ranhalten:

Track Stats  freiwillige und unfreiwillige Besuche des Blogs

Cotton-eyed Joe

Ein weiterer Trip fuehrt mich dieses Mal ganz tief in die Staaten: Texas. Auch davor werde ich eingehend gewarnt. Mittlerweile geschult im Umgang mit den Grenzern und jeglichem Sicherheitspersonal finde ich mich ziemlich schnell in einer komfortablen 737 wieder, die mich in knappen drei Stunden nach Dallas bringt.

Hier bin ich zum ersten Mal beeindruckt von dem riesigen, aber dennoch sehr ambitionierten und technisch voll ausgestatteten Flughafen. Daber versagt der Ostdeutsche schon an der Drehtuer. Bleibt stecken, loest einen Alarm aus und wird von einer aus dem Navi bekannten Frauenstimme in einer Endlosschleife darauf hingewiesen, „den Knopf“ zu druecken. Der einzige Knopf sieht zwar aus wie ein Notaus und laesst mich Zoegern, aber meine Erfahrungen der Folgen, nicht auf Frauen zu hoeren, lassen meine Hand schmunzelnd zum Knopf gleiten. Natuerlich wurde es schlimmer und lauter, hektisches Personal eilt heran und ich kann gerade noch durch die nun rueckwaerts bewegliche Tuer und einen seitlichen Ausgang fliehen. Witziges Spiel. Im Shuttle zu einem anderen der fuenf Terminals, wo ich weitere Kollegen erwarte, ueberlege ich glatt, das zu wiederholen. Dort allerdings ist das ueberwachende Personal zu zahlreich. Und lustig verkleidet. Kaum zehn Sekunden stehe ich rum, schon fragt mich die erste Dame in Pfadpfinderuniform, wie sich spaeter herausstellt, sieht hier die Polizei so aus, ob sie mir helfen koenne. Freundlich nehme ich das Angebot an. Aber die oberflaechlichen Antworten zum Flughafen kann man sich auch so zusammenreimen: “Sie stehen an einem Kofferband, wenn ihre Kollegen Koffer haben, muessten sie hier vorbei kommen”. Ach. Danke. Also warte ich auf einer Bank auf die Ankunft der beiden. Schon kommt der naechste Greis und bietet mir Hilfe an. In Deutschland haette ich sein Outfit in Richtung oberbayrischer Kleinwildjaeger eingeordnet. Hier in Texas bekomme ich langsam eine leise Ahnung, was mich erwartet.

Auf den Highways merkt man, wo die Oeldollars stecken. Waehrend man Autobahnkreuze simpel mit einer Bruecke und entsprechenden Rampen bauen koennte, hat man hier den Eindruck, man musste mit der Strasse so weit wie moeglich der Erdanziehung entfliehen. Schon Meilen vor dem Kreuz gehts dem Himmel entgegen. Spinnenartige Skyways verwirren ob der staendig aendernden Richtung. Diejenigen, die es wagen, diese Bermuda-Dreiecke ohne Navi zu befahren, suchen heute noch verzweifelt den richtigen Ausweg. Und was fuer Brueckenbauten. Natuerlich auch gleich fuer saemtliche Strassen, so dass man gar nicht mehr weiss, was ueberhaupt ueberbrueckt werden soll. Jedenfalls sieht so jedes Kreuz aus, was uns begegnet. Beeindruckend.

Von den Einwohnern war ich eher enttaeuscht. Anstatt korpulenter bildungsferner Durchschnittsamis haette ich den typischen Cowboy mit Colt, fransiger Jeans und bohnensuppendurchsippten Cowboyhut erwartet. Aber vermutlich muss ich dafuer weiter aufs Land raus. Pick-up-Trucks dominieren das Strassenbild, soviel war schon vorher klar, aber von den Dimensionen bin ich immer wieder beeindruckt. Zum Dinner gibt es natuerlich ein schoenes Steak, was im richtig gewaehlten Restaurant auch ehrlich gesagt ein echter Genuss ist. Und auch hier faellt wieder der Ossi auf, der nur die 18 Unzen Fleisch bestellt, dafuer aber den Teller leer kriegt, waherend die amerikanischen Tischgenossen sich fuer die 26 Unzen entscheiden, um die Haelfte uebrig zu lassen. Und das bei $50 pro Teller.

 Texas Combo

Am naechsten Morgen geht es schon zurueck, natuerlich nicht ohne abschliessende Komik. Mich auf einen entspannenden Flug freuend, wird mir mitgeteilt, das Flugzeug wurde downgegraded. Um es kurz zu machen: kennt ihr noch die Maschinen aus Filmen wie “Liebling ich habe die Kinder geschrumpft”? Irgendein Geheimprojekt der Nasa in Texas muss so etwas mit den Flugzeug gemacht haben. Es gab nicht mal mehr Platz fuer Handgepaeck. Und ich freute mich riesig, den wegen der kleineren Maschine ja laengeren Rueckflug wie folgt geniessen zu duerfen: natuerlich Fensterplatz, so dass der Kopf im leichten Neigungswinkel zum Rumpf gehalten werden muss. Zudem sitzt neben mir ein vermeintlicher Footballspielers, der nicht nur die Armlehne, sondern auch ordentliche Zentimeter von meinem Platz beanspruchen muss. Auf meinem kleinen Tischchen wurde dann auch das kleine Kaeffchen im Styroporfingerhut serviert. Dazu eine Erdnuss zum Knabbern. Und eine Serviette in Groesse der Abtropfringe bei Bierglaesern in Kneipen. Zu allem Ueberfluss ist die Dame hinter mir auch noch erkaeltet.

So uebertuenche ich meinen koerperlichen und seelischen Schmerz mit ob der lautstarken Motoren neben mir nur wage zu erahnender Musik des voll aufgedrehten mp3-Players und den Erinnerungen an Texas. Gerne wieder.

More than words

Hier mal ein Versuch die multimedialen Groessen zu verschmelzen: BLOGGEN und YOUTUBEN. Aufgrund gezwungener Umgehung kleinbuergerlicher Eigentumsrecht, ist es eher die russische Variante RUTUBEN geworden, aber seht selbst die schon laenger veroeffentlichen Beitraege:

Baby, you can drive my car - Eindruecke torontianischen Cruisens

In the carwash -noch mehr Highway to Hell

Whiskey in the jar - Milwaukee’s greatest

Toys, toys, toi!s - Weihnachtliche Werbeparade durch Toronto

Short fall

Der Herbst kam und ging. Und zwar ziemlich schnell. Die hier als Indian Summer bekannte golden und blutrote Faerbung der Ahornwaelder konnten wir gerade mal den knappen Oktober lang bewundern. Auslaeufer der Hurricans sowie der trockene und heisse Sommer haben die Blaetter schnell braun gefaerbt oder abgeweht. Dennoch konnten wir um Toronto einen kurzen Eindruck der wundervollen Stimmung gewinnen.

Indian Summer 3    Indian Summer 4    Indian Summer 5

Alsbald wird der Ontariosee von weiteren Herbststuermen aufgwuehlt und hohe Wellen mit Schaumkronen und entsprechender Gischt peitschen gegen die Kaimauern der Stadt. Der CN-Tower liegt in Wolken und graue Schleier tauchen die Strassenschluchten in mystisches Ambiente. Morgens hingegen taucht der Sonnenaufgang die Silhouette in junges Rot, das von den Wolkenkratzern der Stadt eindrucksvoll gespiegelt wird und die belebten Highways in Lavastroeme eines nahezu perfekt funktionierenden Vulkans verwandelt. Und der Schornstein qualmt…

Toronto Zoo   Indian Summer 1    Indian Summer 2

Um mehr vom Leben ausserhalb der Stadt zu erfahren, besuchen wir den Zoo zu Toronto. Dieser ist durch sein gleichgeschlechtliches Liebespaar, die schwulen Pinguine, beruehmt geworden. In letzer Zeit sorgt er eher fuer traurige Schlagzeilen, da die Stadt aus finanziellen Gruenden die Elefanten an einen nicht den allgemeinen Standards entsprechenden US-Tierpark verhoekern will. Ja, auch ausserhalb Europas gibt es noch etwas zu privatisieren und sparen….

Der Zoo in Toronto ist verdammt gross. Hier hat man ja auch Platz… Und so entscheiden wir uns, lediglich den kanadischen Teil anzusehen. Neben der Tierwelt lernt man hier sehr viel ueber das Leben und die Kultur der First People, Kanadas Ureinwohner. Und nachdem wir die Waschbaeren und Squirrels wiedererkannt hatten und die Centipeden vermissten, gehts an die Neuentdeckungen. Wir lernen, dass es sage und schreibe acht verschiedene Schildkroetenarten hier in Ontario geben soll. Zudem nennen Schlangen und gefaehrliche Spinnen, wie die schwarze Witwe, diese Landschaft ebenfalls ihre Heimat. Es kann also noch schlimmer werden. Dann aber entdecken wir die groesseren Tiere und sind von den riesigen Weiden, die die Hirsche und Elche haben, beeindruckt.

Von einem Huegel aus kann man am Rande eines Waldweges, eine grosse Bisonherde weit unten im Tal beobachten. Dabei fuehlt man sich wirklich als Trapper zumal der anderthalb Stunden andauernde Weg dorthin wenig frequentiert ist. Friedlich und kaum ihrer traurigen Geschichte bewusst, kauern sie im Glanz der herbstlichen Sonne. Meister Petz und seine Sippschaft sind auch vertreten. Als den groessten seiner Art kann man den Polarbaeren beim Tauchen und Fischen beobachten. Gegenueber sonnen sich die Polarwoelfe gleichwohl ihrer fuchsigen Genossen. alles in allem haben wir also einen ganzen Tag lang die Bewohner Kanadas studiert, ein wahrlich eindrucksvolles Gehege.
Das macht Lust auf die richtigen Parks und uneingeschraenkte Wildnis…

Silent witnesses of labour history

Milwaukee ist langweilig? Weit gefehlt! Urspruenglich fuer eine Durchfahrt aufgebrochen, offenbaren sich mir wahre Schaetze der Industriegeschichte. Amerikanischer Industriegeschichte. Verlassene Fabrikgebauede laden direkt zum Erkunden ein! Einmal mehr enttauscht, nur eine Handykamera dabei zu haben, versuche ich die ungeschliffenen Diamanten fuer euch einzufangen. Dabei entdecke ich noch die Fabrik sowie das Museum von Harley Davidson. Und so wird mir an diesem Tag wieder klar, wie wichtig es ist, dem zweiten Eindruck eine Chance zu lassen und auch mal genauer hinzuschauen, haleluja…

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